Rachid

Gerade zurück aus Tunesien, hat mich Marrakesch wieder einmal mit all seiner Intensität überwältigt. Die Energie hier ist kontinuierlich vibrierend, lebendig und intensiv. Im Moment kommt dieser Schwingung noch die Hitze hinzu, was es gefühlt noch mal verdoppelt. Die Gerüche sind stärker, die Menschen hitzegereizter und die Luft zum Atmen dünner.

Ich fühlte mich also den Umständen entsprechend etwas strapaziert dieser Tage… und immer dann, wenn Marrakesch’s Intensität gefühlt am Höhepunkt ist, scheint etwas zu kippen…es ist dann, als ob mich etwas bricht.

Meine Strapaziertheit, meine europäische Arroganz den Einheimischen gegenüber, mein überaktiver Denkapparat und das gedankliche Vorauseilen hört dann mit einem Mal auf.

Was mich bricht…. ist die Demut in den Begegnungen.

So traf ich gestern auf Rachid. Ich suchte einen Schuhkleber, weil sich die Sohle von den neuen tunesischen 😉 Sandalen löste. Schuhkleber, also Menschen die Schuhe kleben, gibt es hier eine ganze Menge. Ich fragte mich durch und wurde zu Rachid weitergeleitet.

Ich sitze an seinem Stand und warte während er die Schuhe klebt. In den zehn Minuten, die ich da sitze, kommen etwa sieben Menschen vorbei, die sich alle einen Dirham (10 Cent) bei ihm abholen. Jeder einzelne grüßt ihn lediglich mit einem ‚Salam Aleikum‘ und erhält sofort eine Münze zugesteckt. Er schaut die Menschen nicht an… er klebt weiter an den Sandalen und händigt zwischendrin die Münzen aus.

Ich lasse mich aufklären, und erfahre, dass er das jeden Freitag so betreibt. Egal wer ihn bittet… jeder erhält eine Münze. Freitag ist der heilige Tag der Woche und Teilen und Spenden ist ein wichtiger Bestandteil der Religion und Kultur.

Er bietet auch mir ein Glas Tee an und will am Ende keinen Preis für das Schuhe kleben nennen, sondern meint, ich soll ihm geben, was ich ihm geben will.

Rachid hat mir an diesem Tag sehr viel gelernt. Für ihn steht das Dienen an erster Stelle. Er gibt bedingungslos im Wissen und im Vertrauen, dass für ihn gesorgt ist. Er weiß, dass der Reichtum im Geben liegt und dass alles und noch mehr zu ihm zurückkommt, wenn er teilt was er hat.

Er hat durch sein Sein und Wirken mein Denken erfolgreich gebrochen. In meiner Kultur ist es essentiell zu wissen, was man für seinen Einsatz kriegt, was uns etwas bringt oder eben nicht bringt. Wir berechnen es insgeheim, wenn wir einen Gefallen tun oder glauben umgekehrt, wir sind jemandem etwas schuldig, wenn er uns einen Gefallen tut.

Was wäre, wenn wir anfangen zu vertrauen, dass wir versorgt sind und uns nicht länger quälen mit strengem Kalkulieren…. und damit meine ich nicht nur Geld. Was wäre, wenn wir anfangen uns zu entspannen, alle Strenge von uns nehmen und den Fokus auf die Freude im Tun legen, anstatt auf Bekommen- und Habenwollen?

Rachid wirkte auf mich er-füllt. Fülle folgt der Freude und dem Teilen. ‚Nichts gehört mir wirklich, es kommt alles von Gott.‘ lehrte mich erst kürzlich ein sehr erfolgreicher Geschäftsmann. Ich glaube ihm und es schien mir, als ob diese Haltung ihn mehr empfangen lässt, als er es sich mit dem menschlichen Verstand hätte vorstellen können.

Teure Umwege

Es ist nun dran, das zu tun, was wir immer schon tun wollten. Kein Aufschieben. Keine Schleichwege. Keine Umwege. Kein ‚auf später Verschieben‘.

Ich bin gerade dabei mich von Kompromissen und Übergangslösungen zu trennen, jegliches auszumisten und mich zu minimieren auf meine Essenz.

Ich mache, was ich immer schon machen wollte. Ich erfülle mir Kindheitsträume, ich entferne das was ich nur halbherzig und nebenbei machte und fokussiere mich ausschließlich darauf, was ich leidenschaftlich gerne mache.

Für mich ist das das Schreiben. Schon als Kind liebte ich es, mir Notizbücher zu kaufen, auf einer alten Schreibmaschine zu tippen und unseren ersten PC stundenlang zu begutachten und auszuprobieren. Ich liebte Füllfedern, Kugelschreiber und Malfarben.

So bin ich in den letzten Monaten stetig in der Frage geblieben,… was will ich wirklich tun in diesem Leben? Wofür möchte ich meine Zeit hergeben? Was macht mich glücklich? So kam das Schreiben immer stärker zu mir… bis ich unaufhaltsam in einen Schreibrausch kam… Ich kaufte mir Notizbücher in allen möglichen Formaten und nahm meinen Laptop überall mithin. Ich schreibe nun in jeder freien Minute. Im Caféhaus, am Strand, im Bett, auf dem Boot, im Taxi.

Ich fühle, als würde es das einzige sein, das ich aufgerufen bin zu tun. Schreiben. Ich schreibe an Blogartikeln, an Gedichten, an einem Onlinekurs, an einem Buch, an meiner Website. Es ist als wäre es das natürlichste und als hätte es darauf gewartet, dass ich es endlich als das anerkenne.

Es ist einfach. Flüssig. Voller Freude.

Was daraus wird? Ich weiß es nicht. Ich folge nur diesem Impuls, der unaufhaltsam wie eine stürmische Welle über mich kam, mich auffordernd zu schreiben. Endlich zu schreiben. Das bedeutet für mich auch einiges zu verabschieden. Ich mag Veränderungen und ich scheue es nicht bei Null anzufangen.

Wenn ich zurückblicke, dann waren es ‚teure Umwege‘ die ich gemacht habe. Es ist als hätte ich mich des öfteren verlaufen. Nicht zu tun, was wir aufgefordert sind zu tun, kann uns teuer zu stehen kommen. Wenn wir nicht dem folgen, was uns ruft, dann versucht uns das Leben immer wieder umzuleiten…. oft indem es uns hinfallen lässt oder uns mit Schwierigkeiten konfrontiert. Sind wir hingegen auf der richtigen Spur, fühlt sich das leicht und fließend an.

Trotz alledem  glaube ich auch nicht, dass etwas umsonst ist im Leben. Ich glaube an die Richtigkeit in allem. So gesehen sind auch Umwege wertvolle Lehrmeister, uns stetig auffordernd in unser eigenes Gleis einzufahren.

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Die Antwort liegt im Dienen

Wieder sitze ich in einem Flieger. Diesmal wieder zurück nach Marrakesch. Hier hoch oben über den Wolken habe ich die klarsten Gedanken, die erfrischendsten Ideen und die tiefsten Erkenntnisse.

Ich reflektiere über meine Woche in der Heimat… diese Zeit war dieses Mal sehr geprägt von äußeren Begegnungen. Ich bin den unterschiedlichsten Menschen in einer nie dagewesenen Tiefe begegnet. Ich war noch nie so viel mit Menschen zusammen und gefühlt noch nie so distanzlos.

Da war eine Frau, die ich seit 20 Jahren kenne, die vor mir in Tränen ausbricht und mir ihre Sorgen erzählt… kurzerhand machen wir eine tief bewegende Sitzung, die uns beide zu Tränen rührt…. Ich spüre Liebe und Heilung auf allen Ebenen… Zwanzig Jahre lange waren wir uns nur oberflächlich begegnet…

Dann habe ich sehr intensive, kraftvolle Sitzungen machen dürfen und freue mich so sehr über die Bereitschaft dieser Menschen so tief zu gehen….

Ein fünf jähriges Kind, das mir in voller Authentizität, und Präsenz und mit sprudelnder Energie aus seiner Welt erzählt und mir damit eine übermäßige Freude bereitet.

Ein 85 Jähriger, der sich in tiefer Dankbarkeit und Demut meinen Sitzungen anvertraut und eine intensive Veränderung seines Seinszustand erfahren darf… weil er sich einlässt auf die Heilung und weil die Dringlichkeit ihn sich hingeben lässt. All das in Stille… weil Worte überflüssig wären.

Ich durfte in dieser Woche in die verschiedensten Leben eintauchen und habe sehr viel Achtung bekommen vor den verschiedensten Schicksalen und Lebenswegen. Ich sehe, dass in der Tiefe immer jeder versucht sein Bestes zugeben… jeweils nach höchstmöglichem Bewusstsein. Wenn wir diese Haltung einnehmen, dann hat Überheblichkeit und ‚Besser wissen wollen‘ keinen Platz mehr. Alle Arroganz des Egos hebt sich somit auf.

Die größte Erkenntnis jedoch aus dieser sehr intensiven Zeit ist, dass die größte Transformationskraft für uns Menschen das bedingungslose Dienen ist. Hier liegt nach meiner Erfahrung der tiefe innere Frieden verborgen, den so viele Menschen ersehnen.

Im Geben, Helfen und Dienen ohne jegliche Erwartungen etwas zurückbekommen zu wollen, erfahre ich stets besagte innere Freude, die an nichts und niemanden mehr gebunden ist. Und auch wenn wir aufhören zu erwarten, wird nunmehr alles was kommt ein Geschenk sein.

Diese Haltung der Dankbarkeit macht Empfangen erst möglich und ist somit der Schlüssel für Fülle, Sattheit und Glückseligkeit. Danke. Danke. Danke.

Grounding

Ich mag es erdig. Ich mag Tiefe. Ich mag Stille.

Ich liebe die Freiheit. Ich liebe die Weite. Ich liebe die Verankerung.

Ich mag keinen Small Talk. Ich mag keine Selbstdarstellung. Ich mag keine Vielrederei.

Ich mag es authentisch. Ich mag mutige Menschen. Ich mag Menschen, die zu sich stehen, selbst wenn es bedeutet alleine da zu stehen.

Ich mag das Alleinsein. Ich mag Rückzug.

Ich mag es auch radikal. Ich mag es ganz oder gar nicht.

Ich mag keinen Pessimismus. Ich mag keine Eigennützigkeit. Ich mag keine Narzissten.

Ich mag Demut. Ich mag Weisheit. Ich mag Einfachheit.

Ich mag es meinen Weg zu gehen. Ich mag es frei zu sein.

Ich mag keine Vorschriften. Ich mag kein enges Denken.

Ich mag keine Intoleranz. Ich mag keinen Hochmut. Ich mag keine ungefragten Ratschläge.

Ich mag es intuitiv zu leben. Ich mag es kraftvoll. Ich mag es tiefgründig.

Ich mag es meiner Natur entsprechend zu leben. Ich mag es nicht, mich anzupassen.

Ich mag kein übertriebenes Getue. Ich mag kein Künsteln. Keine Heuchelei.

Ich mag Themen über die Welt. Ich mag keine Themen zu Wetter und Ego.

Ich mag keine Anmaßungen. Ich mag kein ungefragtes Richtigstellen.

Ich mag kein Wichtigmachen. Ich mag kein Bekehren. Ich mag kein Brauchen und Gebrauchtwerden.

Ich mag gütige Menschen. Ich mag Menschen die leben was sie sagen, anstatt andere zu belehren.

Ich mag Dankbarkeit. Ich mag Selbstreflexion. Ich mag Erneuerung.

Ich mag es meinen Weg neugierig zu gehen, anstatt alles bereits wissen zu wollen.

Erneuerung

Das einzige Beständige ist der Wandel. (Heraklit)

Veränderung braucht Raum. Um zu erkennen, was noch stimmig ist und was wir lieber verabschieden wollen in unserem Leben, ist es notwendig uns Raum zu geben, uns rückzuziehen und eine Zeit lang in der Stille zu verweilen…uns nicht länger abzulenken mit scheinbarer Geschäftigkeit, sondern uns eine bewusste Auszeit zu nehmen und in uns still zu werden. Hier erhalten wir alle Antworten.

Stille spricht.

So kann es sein, dass etwas immer dagewesenes plötzlich keinen Bestand mehr hat. Hier hinzuschauen und sich den Wandel einzugestehen, ist mutig, wahrhaftig und hält das Potential für Veränderung im bestmöglichen Sinne.

Um überhaupt hier hinzukommen, bedarf es den Verstand zur Ruhe zu bringen und uns mutig dem Alleinsein zu stellen. Die Stille und die Zeit mit sich selbst ist höchst bereichernd, wenn wir uns nicht länger davor fürchten und uns nicht länger von ihr ablenken, sondern einfach mit ihr sind und da sein lassen, was hier da sein möchte.

Sich zu öffnen für das (noch) Unbekannte und noch nie Dagewesene, mag erstmal Unbehagen verursachen… doch mit der Entscheidung sich dem Neuen zu öffnen, öffnen sich gleichzeitig bis dahin unbekannte, noch nie dagewesene Reservoirs an Kraft, Potentialen, Mut und neuer Lebenslust.

Es bedarf uns lediglich zu befreien von den limitierenden Konzepten über uns selbst, indem wir uns für etwas öffnen, das der Verstand bisher hätte nicht erfassen können. Und uns über das bisher Geglaubte zu erheben und uns zu fragen: ‚Was ist hier noch alles möglich, das ich bisher nicht erlaubt habe zu empfangen?‘ sprengt Grenzen und lässt uns erst empfangen, was wir bisher durch eigene Limitierungen ferngehalten haben oder gar nicht sehen konnten.

So lade ich dich ein…. Still zu werden…. zu sehen und zu spüren was für dich nun dran ist…. und dich schließlich dem Wandel hinzugeben. Es ist pure Befreiung, wenn wir einwilligen, Altes zu verabschieden und somit Raum für etwas Neues schaffen.

Königin

Die Königin steht als Sinnbild für würdevoll gelebte Weiblichkeit, für authentisches Frausein und für ein kraftvolles Eintreten in unsere weiblichen Qualitäten, die uns von Natur aus innewohnen.

Wenn Frauen erstmals mit der Metapher der Königin in Kontakt kommen, betreten viele ein totales Neuland. Sie wissen und wussten nicht um ihre weibliche Kraft, die gänzlich anders ist als die der Männer. Sie wissen und wussten nicht um das geheimnisvolle Mysterium ihres Schoßraumes, dem alle Weisheit innewohnt und aus dem sie unendliche Kraft schöpfen können. Sie wissen und wussten nicht um ihre Intuition, an die sie sich jederzeit anschließen können um aus ihr heraus zu kreieren und zu empfangen was ihnen wahrhaft entspricht.

Die Königin ist eine Qualität, in die wir eintreten können, wenn wir es wählen und bereit dazu sind.

Bereit sind viele erst dann, wenn sie vielfach Entwürdigung und Demütigung seitens der Männer aber auch seitens anderer Frauen erfahren haben.

Bereit sind jene Frauen, die bisher mit ihrem Schicksal haderten und nicht verstehen konnten, was sie in ihrem äußeren Leben vorfinden. Es sind Frauen, die schon immer glaubten, sie wären verkehrt und die bisher alle Schuld bei sich suchten.

Es sind Frauen, die dort angelangt sind, wo sie intuitiv wissen, dass es noch etwas anderes geben muss als Dramen und Leiden…. Und die vor allem erkennen, dass sie die Wahl haben, etwas anderes als bisher zu empfangen.

Die Qualität der Königin steht in unmittelbarem Zusammenhang mit der Verantwortung für das eigene Leben und für das was wir im Außen empfangen. In der Eigenverantwortung liegt die Macht und Möglichkeit zu wählen was wir empfangen möchten und schließlich auch die Freiheit darin.

Eine Königin ist frei, weil sie es wählt, nicht länger abhängig zu sein von äußerem Geschehen oder der Emotionen anderer. Nicht einmal von ihren eigenen Emotionen lässt sie sich leiten, weil sie in sich stabil ist und darum weiß, dass sie allen Halt in sich findet. Hier ist ihr Zuhause. Eine Königin sucht nichts mehr im Außen. Sie ist sich selbst genug und wählt es zu empfangen anstatt zu kämpfen.

Es geht bei der Königin auch darum, zu erkennen, dass wir als Frauen unsere Würde nicht verloren haben, sondern lediglich abgegeben. Wir haben Entwürdigung und Demütigung erlaubt und haben es gewählt zu leiden und Dramen zu kreieren. So empfingen wir, was wir erlaubt haben zu empfangen, weil wir nicht um unsere Kraft und Macht wussten. Wenn wir das erkannt haben, sind wir frei… und mehr denn je bereit in unsere Königinnen und damit unsere Würde einzutreten.

Die Königin als Qualität ist unter anderem eine Einladung, uns in der Tiefe selbst zu begegnen und hier Heimat zu finden. Wir suchen unseren Wert dann auch nicht mehr bei anderen. Wir sind uns selbst genug. Eine Frau, die eintritt in sich selbst und sich hier verankert, lebt und kreiert aus sich selbst heraus und dient ihrem Umfeld und der Welt in höchstem Maße. So können Frauen tatsächlich die Welt verändern, wenn sie eintreten in ihr naturgegebenes kraftvolles Dasein und aus dieser Stabilität heraus schöpfen und schaffen.

Der nächste Königinnen Online Retreat startet am 26.5. und geht über vier Wochen. Ich lade dich herzlich ein, dabei zu sein. Infos und Anmeldung hier: Die Königin | Online Retreat