Tabula Rasa

(= etwas, das durch nichts mehr vorgeprägt ist / einen Neubeginn ermöglicht)

Tabula Rasa. So ist meine Welt gerade. Neu. Leer. Ein weiter Raum indem alles möglich ist. Nichts ist greifbar. Alles ist offen. Ich habe in den letzten Monaten derart viele Prägungen, Ansichten und Konzepte über Board geworfen, dass ich mich nunmehr in einem undefinierbaren Erleben wiederfinde. Wenn man es benennen sollte, könnte man es vielleicht ‚Seligkeit ohne besonderen Anlass nennen.‘ Doch auch das beschreibt es nicht annähernd.

Sich leer zu machen von allem Gedachten, macht frei zu sein wer wir wahrhaft sind. Konzeptlos. Frei von Identifizierung mit etwas oder jemandem.
Frei von Prägungen die uns festhalten. Tabula Rasa.

Wie es jetzt weitergeht oder was als nächstes kommt? Ich weiß es nicht. Es ist ungemein befreiend nichts mehr wissen zu wollen und alles kommen zu lassen.

Inzwischen oder ‚in der Zeit dazwischen‘ bleibe ich in der Frage… nicht, weil mich die Antworten interessieren, sondern weil Fragen neue Räume und Möglichkeiten öffnen und sie zudem alles in Fluss halten.

Und was wäre, wenn wir diese ‚Zwischenzeit‘ einfach genießen dürften? Wie viel entspannter kann es dann sein? Und wieviel mehr leben wir damit im Jetzt? Bewusst und präsent?

Wenn auch du gerade nichts mehr weißt… wie es weitergeht und was dein nächster Schritt sein soll… dann lade ich dich ein, dieses Erleben als Geschenk anzunehmen. Wissend, dass aus genau diesem Raum sich alles entfaltet. Dann, wenn wir ablassen vom Lenken und Kontrollieren von uns selbst und unserem Weg. Und was ist dann erst alles möglich?

Mit sanfter Bestimmtheit

Heute melde ich mich aus Marrakech. Wir sind bereits seit vier Wochen im Lande. Ich habe diesmal sehr lange gebraucht, um mich hier zu adaptieren…. Marrakech hat sich verändert. Wir uns auch. Anfangs wollten wir das Alte wiederbeleben… wir sind an vertraute Orte gefahren und sind in Erinnerungen geschwelgt. Bis wir dem Fluss des Neuen nicht mehr entkamen und dieser uns schließlich mit sanfter Bestimmtheit mitgerissen hat… Wir durften unsere eigene Veränderung dankbar anerkennen und uns schließlich dem natürlichen Wandel von allem und jedem erfreuen…. Und genau darin dürfen wir uns nunmehr neu erfinden.

Ich habe erkannt, dass wir nicht dort anschließen konnten, wo wir aufgehört hatten. Das war anfangs irritierend und wir waren etwas orientierungslos in Bezug auf die noch kommenden Wochen in Marokko…. Denn wie gewohnt wollte ich jede Menge in Angriff nehmen und erledigen… doch dann war das Leben wieder weiser…. und hat folgende Geschichte geschrieben: Mein IPhone ist mir abhanden gekommen und zeitgleich hat mich eine Augenentzündung in einen totalen Stillstand befördert. Kaum sehen zu können und das einzige Werkzeug meiner Arbeit zu verlieren wäre eine für mich sehr schwerwiegende Kombination, würde ich nicht der Weisheit des Lebens vertrauen und darin meine Lernaufgabe erkennen….

Ich durfte nämlich lernen die Zügel aus der Hand zu geben… mich von ständigem Tun und Machen verabschieden und lernen zu entspannen und zu genießen. Ich durfte wieder lernen zu spüren was dran ist, anstatt von meinem Wollen getrieben den Dingen nachzujagen. Ich durfte auch lernen nach innen, anstatt nach außen zu sehen.

So sage ich heute – nach vier intensiv transformierenden Wochen in Marrakech – danke Leben für diese Lehre. Sie hat mich eingeladen, wenn nicht auf sanfte Art gezwungen, mich zu erneuern und das Alte gänzlich hinter mir zu lassen. So entdecken wir gerade in befreiender Leichtigkeit, was für uns Neues dran ist und durch uns in die Welt möchte. Anzuerkennen, dass alles immer einem ständigen Wandel unterliegt und nichts bleibt wie es war, birgt eine ungemeine Freiheit. An nichts und niemandem mehr festhalten zu wollen, ließ mich aufatmen und hat es mir erlaubt, dass alles neu sein darf.

Wahl oder Schicksal?

Ich habe mich in letzter Zeit mit der Frage beschäftigt, ob die größeren Entscheidungen in unserem Leben auf freier Wahl basieren oder ob sie schicksalshaft gelenkt sind. Ich fragte mich, was gewesen wäre, wäre ich damals nicht nach Marokko gereist, sondern in ein anderes Land, wo wäre ich jetzt? Oder wäre ich in jedem Fall irgendwann in Marokko gelandet, weil es so vorgesehen war….?

Nicht, dass ich mir diese Frage nicht schon öfters gestellt hätte, aber diesmal wollte ich anhand von Beispielen aus dem eigenen Leben eine für mich stimmige Antwort finden…. Und ich fand sie auch. Ich erlebe immer wieder, dass sobald ich eine Frage rausgebe, die Antworten immer von irgendeiner unerwarteten Seite kommen.

So fand ich mich in einem Gespräch mit meinem Mann wieder, mit dem ich irgendwann auf die Frage ‚Wahl oder Schicksal‘ kam. Für ihn war alles ganz klar, er antwortete: „Beides.“ Ich bin stets inspiriert von dieser Art der Gespräche mit ihm, weil er auf Basis seines Glaubens immer eine für mich zufriedenstellende Antwort auf die spirituellen Fragen des Lebens hatte.

Er meinte, wir wählen erst was wir möchten, indem wir dem folgen was wir spüren. Wir beschreiten dann den gewählten Weg und tun die Schritte, die das Gewählte verlangt. Ob wir schließlich aber bekommen, was wir uns in den Kopf gesetzt haben, wird das Schicksal entscheiden. Wenn etwas für uns gemeint ist, werden wir es erreichen oder bekommen, wenn nicht, wird der gewählte Weg uns nicht sehr weit führen.

Diese Sichtweise fühlte sich erstmals stimmig für mich an. Es ist nicht alles nur eine Wahl aus dem Verstand heraus, genau so wenig wie wir alles nur dem Schicksal überlassen können. Es ist beides. Erst die Wahl, dann die Schritte, dann wird es sich zeigen.

Eine ‚Mit dem Kopf durch die Wand Mentalität‘ hilft uns also genau so wenig wie die Hände in den Schoss zu legen und zu warten bis das Leben geschieht. Aus einer Verbindung mit unserem Innersten, spüren wir auch sehr genau wann es gilt zu handeln und wann loszulassen und abzugeben.

So macht irgendwie alles Sinn. Alle Bedenken ob man den richtigen Weg gewählt hat, heben sich auf. Alle Zweifel, ob man etwas versäumen könnte, ebenso. Wenn wir anfangen unserer Führung, dem Leben und der Richtigkeit in allem zu vertrauen, können wir uns in uns selbst und in unser Leben hinein entspannen. Wissend, dass wir nicht versäumen können, was wahrhaft für uns gemeint ist zu sein… und auch nichts so wäre, wenn es nicht gemeint wäre zu sein.

Was wäre, wenn jetzt die Zeit wäre?

Ich reflektiere gerade über die letzten Wochen in der Quarantäne. Anfangs ging es für mich sehr um das Stillwerden, die Entschleunigung, den Rückzug und das Besinnen. Nachdem die Welt (und auch ich selbst) nun weitestgehend runtergefahren ist…. komme ich gefühlt in eine nächste Phase meines Erlebens. Ich muss gestehen, dass ich mich in all der äußeren Stille doch sehr gerne mit überaus nützlichen Beschäftigungen abgelenkt habe. Ich habe mich be-schäftigt. Um die Zeit zu nützen… für Sinnvolles, für Aufgeschobenes, für Neues.

In einem stillen Moment all dessen, merkte ich jedoch, wie sehr Ablenkung hier das Spiel übernimmt. Ablenkung von dem was eigentlich möglich wäre. Ablenkung vom eigenen Potential, vom Träume verwirklichen, von der Zeit auf die ich immer gewartet habe. Die Zeit endlich Zeit zu haben.

Was wäre, wenn jetzt DIE Zeit wäre? Die Zeit umzusetzen, anstatt sich zu beschäftigen. Zu verwirklichen anstatt sich abzulenken.

Gerade als ich mit den scheinbar überaus sinnvollen Beschäftigungen fertig war und bereits nach neuen Ausschau hielt, überkam mich in dem kurzen, leisen Moment dazwischen ein tiefes inneres Erkennen, dass jetzt die Zeit für etwas anderes ist.

Es ist DIE Zeit. Kein Warten mehr auf Später. Kein Spinnen von Visionen. Kein Ablenken im Jetzt um das Leben auf die Zukunft zu verschieben. Kein Leugnen der sich entfalten wollenden Potentiale.

Es ist jetzt die Zeit, auf die ich immer gewartet hatte. Die Zeit, Zeit zu haben. Die Zeit, Visionen umzusetzen und Potentiale zu leben, anstatt sie noch länger zu unterdrücken.

Damit hat sich eine unglaubliche Kraft in mir freigesetzt. Es war das Eingestehen. Das Bewusstmachen. Das Beobachten meiner selbst. Die Bereitschaft. Die Dringlichkeit. Die Lust auf das Neue. Der Mut zum Ungewissen.

Tatsächlich aber ein Aufwachen. Ein Verlassen des Schlafmodus, des Träumens und Visionierens. Ein Eintreten in das eigene Wissen und die eigene Kraft. Ein Erkennen der Kostbarkeit von Zeit.

Für mich hat die ‚Coronazeit‘ nur Geschenke bereitgehalten. Ich bin überaus dankbar und fühle es als totalen Wandel zu etwas nie Dagewesenem. Individuell und kollektiv. Ich freue mich auf das was noch kommen darf, aber nicht indem ich darauf warte, sondern während ich lebe was schon immer gelebt werden wollte.

Retreat

Retreat war wohl mein meistbenutztes Wort in den letzten zwei Jahren. Es bedeutet sich rückzuziehen, eine Auszeit zu nehmen, sich zu besinnen auf das Wesentliche und sich wieder zu erinnern an das Eigene und zu spüren was noch wahr für uns ist.
Nun sind die meisten von uns auf Retreat. Entschleunigung. Verschnaufpause. Rückbesinnung. (Fast) die ganze Welt wurde somit auf Retreat geschickt.
 
Auch ich bin zu meinem persönlichen Stille Retreat in der Tiroler Heimat gelandet. Ich war für ein paar Tage bei einem Foundation Kurs in Kärnten, während denen Marokko’s Grenzen zumachten und mein Rückflug gestrichen wurde. Ich sehe es als wunderbare Fügung, die mir in bereits sehr kurzer Zeit so viel Unbezahlbares geschenkt hat….mehr dazu im aktuellen Podcast.
 
Ich erlebe die aktuelle Zeit als sonderbar ruhig, still und freudvoll und blicke dem Ganzen mit sehr viel Zuversicht auf unendlich viele neue Möglichkeiten entgegen. Der von vielen Menschen lang ersehnte Wandel ist in vollem Gange und es liegt eine nie dagewesene Energie von frischem Wind und sich entfalten wollendem Potential in der Luft. Wenn wir aufspringen auf diese Welle des Erneuerns und Unkreierens von allem bisher Dagewesenen, können wir über das hinauskreieren was uns als scheinbare Realität serviert wird.

Vom gedachten Leben verabschieden

Wir haben eine Vorstellung davon wie unser Leben zu sein hat und nicht zu sein hat. Wir stellen es uns vor. Weicht die Realität von diesem Ideal ab, sind wir enttäuscht und leiden. Wir erleiden genau genommen unsere Vorstellungen. Hätten wir keine Vorstellung davon wie etwas zu sein hat, wäre die Realität meist gar nicht so düster, wie es durch den Filter unseres ‚erdachten Lebens‘ ausschaut.

Was wäre, wenn wir uns frei machen von jeglichen Ansichten über uns selbst und unser Leben und wir erlauben, dass sich entfalten darf, was sich entfalten möchte?

Wärst du bereit, dich frei zu machen von jeglichen Vorstellungen wie dein Leben auszuschauen hat und bereit stattdessen Schritt für Schritt zu entdecken, was jeweils für dich dran ist?

Uns freizumachen von jeglichen Erwartungen an unser Leben und auch an andere, bringt maximale Freiheit und gibt gar keinen Raum mehr für Enttäuschungen.

Zu simpel? Die Umsetzung muss nicht schwer sein, es bedarf nur die richtigen Fragen zu stellen…. Wo und was erwartest du noch vom Leben oder jemandem, dass wenn du es nicht tun würdest, du frei wärst von allem und jedem? Welche konkreten Vorstellungen hast du noch vom Leben, dass wenn du sie nicht hättest, du empfangen könntest, was wahrhaft zu dir möchte?

Das Fragenstellen geht weiter… man kommt hier individuell immer tiefer in das Eigene hinein… Welche Frage kannst DU stellen, die DICH frei macht?
Erwarte keine Antworten, sondern vertraue darauf, dass sie kommen…. auf den verschiedensten Wegen.

Wenn wir Fragen stellen, anstatt Feststellungen über unser Leben zu machen, öffnen sich Tore und Wege, die der limitierte Verstand gar nicht hätte erfassen können. Das ‚gedachte Leben‘ ist somit ein sehr kleiner Ausschnitt von dem was tatsächlich für uns möglich ist.
Bist du bereit alles und noch mehr von dir zu empfangen anstatt nur das was deinen Vorstellungen entspringt?

Wenn wir bereit sind, all unser erdachtes Leben beiseite zu legen…. ja so wie eine Kiste abzustellen, können wir leichten Weges voranschreiten. Un-vor-eingenommen. Un-be-schwer-t können wir dann gehen und sehen und spüren und tun. Wie wäre das?